(04) - Doberdoll - Babino Polje
Das Frühstück gibt es wie angekündigt 7:30 Uhr. Wir wurden gestern schon gewarnt, nicht zu spät zu kommen, also war der Wecker gestellt.
Frische Tomaten und Gurken gibt es also immer in Albanien. auch Schafskäse und Feigen-Marmelade hatten wir schon zum Frühstück. Das Brot und die Teigtaschen müssen frisch sein. Wir hatten gestern abend eine ältere Frau mit einer großen Schüssel Mehl in einem der Hütten verschwinden sehen. Wir landen wieder mit den gleichen Leuten am Frühstückstisch.
Um 8:45 Uhr sind wir für die nächste Quälerei bereit und versuchen zu erraten welchen Weg man am besten einschlägt um den Hang möglichst ohne grössere Umwege zu erklimmen. Das Tal ist schon wach, man hört die Schafe und Kuhglocken und ein paar Hunde bellen.
Es geht gleich wieder straff los - fast 500m hoch auf 2.200m innerhalb der ersten drei Kilometer.
Blick zurueck ins Tal Doberdoll
erste Pause am Pass.Von hier aus kann man in drei Laender schauen. Zurueck im Sueden liegt Albanien. Im Norden Montenegro und im Osten der Kosovo. Unser heutiges Ziel Babino Polje liegt in Montenegro. Wir nehmen wie geplant die etwas laengere Route durch den Kosovo. Heute kommen also gleich zwei unserer Border-Crossing-Permits zum Einsatz: von Albanien nach Kosovo und vom Kosovo nach Montenegro.
Nun da wir immer auf dem Kamm lang laufen können geht es gut voran. Wir sind jetzt auf 2.200m und es ist nicht zu warm.
Hier hat jemand sein Auto den Hang hoch geprügelt um ein paar Dosen Getränke zu verkaufen.
hier oben blüht alles noch. Dazu Schmetterlinge in den krassesten Farben.
Wenn man Hunger hat schmeckt es auch direkt vom Boden. Ich muss schnell essen, denn den Rest holt sich ein Hund.
Je weiter wir herunter steigen, desto wärmer wird es wieder. War es auf 2200m echt auszuhalten so fangen wir jetzt schon wieder an zu schwitzen, obwohl es bergab geht. An einem dünnen Bächlein mit kleiner Baumgruppe überholen wir eine Gruppe von 4 jungen Frauen. Sie grüssen freundlich und erkennen und anerkennen unsere schweren Rucksäcke. Da ihr Englisch amerikanisch klingt, sind die Mädels ab jetzt die 4 Amerikanerinnen. Irgendwie bekommt jede Gruppe einen Namen nach ihrer Nation, so wie wir schon die Belgier, die Franzosen, die Holländer und Brasilianer benannt haben. Die Anwesenheit der 4 Frauen erhöht aus irgend einem unerklärlichen Grund unsere Geschwindigkeit.
An der Strasse treffen wir einen kleinen Jungen mit Ronaldo Shirt und einem abgenutzten Fußball. Er fragt uns mit ein paar Brocken Englisch aus so gut er kann. Sein Ziel ist sicher uns eine Übernachtung zu verkaufen. Wir müssen ihn enttäuschen denn wir haben schon etwas reserviert. Er ist aber super freundlich und wünscht uns noch einen schönen Tag. Dann fällt ihm noch ein dass er wissen will ob außer uns noch mehr Wanderer ("Tourists") kommen. Als wir bejahen ist er zufrieden. Ein ähnliches Frage-Antwort-Spiel wiederholt sich noch ein paar Mal mit anderen Bewohnern des Tals, welche uns auch gern eine Übernachtung oder wenigstens einen Kaffee anbieten. Wir sind nun aber schon seit ungefaer 2.5h "fast da" und laufen lieber weiter und hoffen dass unsere Hütte auch wirklich auf dem Weg liegt. Mit Hilfe von Frank T.'s Reservierungs-Ausdruck und zwei GPS apps finden wir es aber doch.
Diese Hütte ist nun mal anders. Der Eigentümer ist bei unserer Ankunft nicht da. Statt dessen werden wir - etwas überraschend - von einem Paar aus Belgien begrüsst. Sie sind zur Zeit die Hosts hier und finanzieren sich so ihre Reise durch Europa. Ich glaube sie sagten sie sind oder wollen ein Jahr reisen. Nun arbeiten sie eine Woche hier. Sie machen das definitiv gut und sind sehr nett. Trotzdem ist es etwas komisch, weil sie ständig vom Eigentümer sprechen und alles was sie sagen und erklären vorgegeben scheint. Als hätten sie es auswendig lernen müssen. Ich wette fast sie mussten. Der Sitzbereich hinter dem Haus und auch der Empfangsbereich im Haus ist sauber und gemütlich. Ein oder zwei weitere Wanderer sind außer uns hier. Hinter dem Haus steht ein Wohnwagen mit Dresdner Nummernschild. Später, nachdem wir es uns in unserem Zimmer gemutlich gemacht haben, trifft das Paar aus Schweden ein, welches wir schon letzten Abend und heute früh beim Frühstück in Doberdol gesehen haben. Sie erzählen dass sie eich verlaufen hatten und so fast 23km statt wie wir 17.5km gemacht haben. Sie sind aber super gut drauf und lachen darüber, weil es ihnen wohl öfter passiert. Wir rücken zusammen und verbringen einen super abend mit den beiden. Vor dem Abendbrot übernimmt die Belgierin die nächste Ansprache und erzählt dass der Besitzer der Hütte ganz toll ist und immer an das Peaks Of The Balkan Projekt geglaubt hat und deshalb die erste Uebernachtungshuette in Babino Polje überhaupt gewesen ist. Er pendelt zwischen Montenegro und Deutschland usw. Zum Abendbrot traegt die Belgierin dann nochmal genau was es zu essen gibt und ihr Mann wie man den Hausgemachten Raki trinkt. Spaeter lernen wir den Host selbst kennen. Ich glaube er kam mit Frau und Tochter am Ende des Abendbrots dazu. Er spricht perfekt Deutsch, wirkt vielleicht etwas derb aber doch auch eher wie ein Geschaeftsmann. Also so schoen es hier ist, das authentische Flair was wir bisher wenigstens teilweise noch erleben durften fehlt hier.
Wir bestellen eine Flasche Montenegro Wein (stolze 15 Euro) und laden Lina und Karl ein. Lina is vermutlich die verrückteste und mutigste Wanderin der ich jemals begegnet bin! Sie erzählt von ihren Abenteuern durch die Indien, Pakistan und dem Nahen Osten welche sie 2.5 Jahre am Stück alleine gemacht hat. Unter anderem war sie in für Touristen verbotene Bezirke in Pakistan - und das zu einer Zeit als Schweden durch Koran-Verbrennungen negativ in den Schlagzeilen war und auch Pakistanische Diplomaten in Schweden festgehalten wurden. Sie hat Geschichten für 10 Bücher und hat trotzdem noch keins geschrieben. Wir melden uns für die Erstausgabe an. Noch mutiger als Lina ist Karl, denn der war noch nie wandern und wagt es trotz Linas Abenteuer im Nahen Osten mit ihr durch die Welt zu ziehen.
Hier noch ein paar Bilder vom wirklich leckeren Abendbrot:
Kaum hab ich mir den Inhalt des Raki Bechers in den Hals geschüttet setzt sich der Besitzer zu uns an den Tisch und erzählt dass das ein ganz besonderer Raki ist, denn der ist zwei mal destilliert und den trinkt man nicht als Shot, sondern genießt ihn in kleinen Schlucken. Ooops.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen